Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern zumindest in Europa, möglichst weltweit, bis zum Jahre 2010 auszurotten. Erreichen lässt sich dieses Ziel durch Schutzimpfung: Zwei Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln als Kombination im zweiten Lebensjahr werden öffentlich empfohlen.
Leider gibt es vor allem in Deutschland eine große Zahl von oft weltanschaulich motivierten Impfgegnern. Obwohl dies schon oft widerlegt wurde, führen sie Allergien, Aids, Krebs und Infektionsanfälligkeit auf Schutzimpfungen zurück. Sie haben sich der „sanften“ Medizin verschrieben, nehmen aber durch unterlassene Impfungen den Tod und die Behinderung anderer in Kauf: Eines von tausend Masernkindern erkrankt an einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), davon versterben 10 bis 20 %, 20 bis 30 % behalten Schäden zurück. Besonders gefürchtet ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) – diese verzögerte Form der Hirnentzündung tritt sechs bis acht Jahre bei durchschnittlich einem von 10.000 Masernkranken auf und ist fast immer tödlich.
Weitgehend unbemerkt von den Medien entwickelte sich im Jahre 2006 ein Masernausbruch in Nordrhein-Westfalen, der es in sich hatte: Die Zahl der gemeldeten Masernfälle stieg bundesweit auf 2307 Fälle, 1749 davon in NRW. Im Vorjahr waren es „nur“ 778 in ganz Deutschland und 38 in NRW. Offensichtlich ist die Welle jetzt – Ende Juni 2007 – immer noch nicht vorbei: In der letzten (der 23.) Woche erkrankten 20 Kinder in Düsseldorf, 9 in Mettmann und ein Patient in Recklinghausen.
Es ist erstaunlich, wie viel mehr medialen Wirbel und staatliche Emsigkeit die Vogelgrippe hervorgerufen hat – bei weitaus geringerer Bedrohung. Der Chef der Impfkommission am Robert-Koch-Institut, Heinz-Josef Schmitt, warf den Behörden in NRW im letzten Jahr fahrlässige Körperverletzung vor und meinte, hier liege ein Fall für den Staatsanwalt vor. (Die Institutsleitung distanzierte sich von diesem Vorwurf.)
Quellen: Süddeutsche Zeitung, Robert Koch-Institut: Merkblatt zur Masernerkrankung, Robert Koch-Institut: Infektionsstatistik, Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW: Fallzahlen der Masernerkrankungen 2006/2007

