Horst Seehofer wird heute die ersten Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II vorstellen. Rund 20.000 Menschen in Deutschland im Alter zwischen 14 und 80 Jahren wurden in den Jahren 2005 bis 2007 im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums gemessen, gewogen und nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt.
Das Ergebnis: 66 % der Männer und 51 % der Frauen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren wiegen zuviel, 20 % aller Deutschen sind als fettleibig (adipös) zu bezeichnen – sie gehen ein hohes Risiko für Folgekrankheiten wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck ein. Auch unter den jüngsten Teilnehmern zwischen 14 und 18 Jahren gehören schon 7 bis 11 % zur Gruppe der Adipösen.
Fettleibig oder normal: Der BMI entscheidet
Ob jemand untergewichtig, normalgewichtig, übergewichtig oder adipös (”fettleibig”) zu nennen ist, das hängt von seinem Body – Mass – Index, kurz BMI ab.
Um den BMI zu errechnen, muss man die Körpergröße in Metern zunächst mit sich selbst multiplizieren, also z.B. 1,83 m X 1,83 m = 3,35 m². Das Körpergewicht in kg wird anschließend durch den gerade errechneten Wert geteilt. Bei einem Gewicht von 80 kg und 1,83 cm Größe ergibt sich ein BMI von 80 kg : 3,35 m² = 23,88 kg/m², ein durchaus normaler Wert.
Die WHO definiert das Normalgewicht als BMI zwischen 19 und 24,9 kg/m², darunter beginnt das Untergewicht. Als übergewichtig werden Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m² bezeichnet, die Adipositas beginnt ab einem BMI von 30 kg/m².
Untergewicht bei Mädchen
Das Gewicht nimmt natürlich im Laufe des Lebens zu: Bei über 60jährigen sind 30 % als adipös zu bezeichnen. Noch ein anderer Trend gibt zur Besorgnis Anlass: Bei jungen Mädchen steigt die Zahl der Untergewichtigen im Alter von 14 bis 17 Jahren bis auf 10% der 17jährigen Mädchen an – Hungern im Land des Überflusses.
Höhere Bildung schützt vor Übergewicht
Sowohl höheres Einkommen als auch höhere Bildung sind mit einem geringeren Prozentsatz an Übergewicht als auch Adipositas verbunden: So sind z.B. 9,2 % der Frauen mit Hochschulreife übergewichtig, bei den Frauen mit Hauptschul/Volksschulabschluss immerhin 35,2 %.
Regionale Unterschiede spielen keine große Rolle, die durchschnittlich dünnsten Männer und Frauen wohnen in Hamburg, die dicksten Frauen im Saarland, die dicksten Männer in Schleswig Holstein.
Dass Deutschland ein erhbliches Übergewichtsproblem hat, war schon im Jahre 2006 durch ein Bericht der International Association for the Study of Obesity bekannt geworden. Demnach wogen 75 % der deutschen Männer und rund 59 % der deutschen Frauen zuviel (BMI > 25 kg/m²) und sicherten ihrem Land damit den Spitzenplatz in Europa. (Weltweit zählen übrigens die USA die meisten Adipösen.)


IRgendwie fehlt hier der Hinweis das der BMI nicht für die Beurteilung einzelner geeignet ist, sondern nur ein mittel für statistische Vergleiche ist
Der Body Mass Index ist in der Tat nur ein grobes Maß, um die gesundheitliche Bedutung des Übergewichts für den einzelnen Patienten zu bestimmen.
Es zeigt sich zunehmend, dass die abdominelle ( = auf den Bauch konzentrierte) Adipositas – der sogenannte Apfeltyp – ein weit größeres Risiko bedeutet als eine Fettvermehrung, die sich in erster Linie am Po und den Beinen zeigt (der sog. Birnentyp).
So wird vielfach empfohlen, statt des BMI einfach den Taillenumfang zu messen, um das individuelle Risiko besser zu bestimmen. Um die Taille sollte die Frau höchstens 80, der Mann höchstens 94 cm messen.
Andere Autoren bevorzugen die sog. “Waist-to-Hip Ratio”, das ist das Verhältnis von Taillen- zum Hüftumfang. (Einen Online Waist-to-Hip Ratio Rechner finden Sie hier.)
Der “Apfel” beginnt bei Männern ab einem WHR-Wert von 1,0, d.h. wenn Taille un Hüfte den gleichen Umfang haben oder die Taille sich als umfangreicher als die Hüfte erweist. Bei Frauen schlägt schon bei WHR = 0,85 Birne in Apfel um.
Allerdings ist der BMI der Wert, der in den meisten und größten Studien bisher verwendet wurde, die meisten und am besten abgesicherten Erkenntnisse über Adipositas beziehen sich auf den BMI.
Noch hinuzufügen ist, dass der Normalwert für Kinder (unter 18 Jahren) anders als bei Erwachsenen festgelegt ist. Andere Ethnien haben ebenfalls andere Normwerte: Japaner z.B. niedrigere als Deutsche.
Und natürlich: Jeder Risikofaktor muss im gesamten persönlichen Umfeld gesehen werden: Wer nur einen erhöhten BMI aufweist, aber nicht raucht und nicht unter Bluthochdruck oder erhöhtem Cholesterin leidet, für den sieht das Gesamtrisiko für Herzinfarkt und Schlaganfall völlig anders aus als für einen anderen, der bei allen drei genannten Risikofaktoren negativ auffällt.
[...] September 2008 von Günter Schütte Die Zahl der Übergewichtigen in Deutschland und Europa nimmt rapide zu. Völlig unbestritten: Übergewicht ist ungesund. Ebenfalls [...]