Protonenpumpenhemmer sind Medikamente, die die Säureproduktion des Magens hemmen. Sie werden recht häufig eingesetzt und seit ihrer Einführung in den späten 1980er Jahren nimmt ihr Anteil am Medikamentenumsatz ständig zu.
Bild: Magengeschwür
Das hat auch einen Grund: Sie helfen wesentlich effektiver als all ihre Vorläufer gegen säurebedingte Beschwerden des Magens und der Speiseröhre. Operationen wegen eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs sind selten geworden seit dem es diese neuen effektiven Medikamente gibt. Weil sie relativ wenig Nebenwirkungen zeigen, werden sie oft sogar vorbeugend verordnet, z.B. zusammen mit Mitteln gegen Rheuma, damit diese dem Magen nicht schaden.
Ein möglicher weiterer Grund dafür, warum Protonenpumpenhemmer so oft verschrieben werden, wurde jetzt in Dänemark entdeckt.
Eine Forschergruppe an der Universitätsklinik Kopenhagen führte einen Doppelblindversuch mit 120 gesunden Probanden durch. Eine Hälfte der Versuchspersonen erhielt ein Placebo für 12 Wochen, die andere über acht Wochen den Protonenpumpenhemmer Esomeprazol. Im Anschluss daran erhielten beide Gruppen wiederum ein Placebo. Die Versuchsteilnehmer wurden anhand eines standardisierten Fragebogens nach Beschwerden von Seiten des Magen-Darmtrakts gefragt.
Das Erstaunliche: Über 40 % der Protonenpumpenhemmer-Gruppe klagte nach Absetzen des Medikaments über Oberbauchbeschwerden, Sodbrennen oder saures Aufstoßen, in der Kontrollgruppe nur 15 %.
Offensichtlich hatte die Gabe des säurehemmenden Mittels bei einer Gruppe beschwerdefreier Probanden Oberbauchbeschwerden verursacht, und zwar traten diese Beschwerden erst nach dem Absetzen des Säureblockers auf.
Diese interessante Studie gibt zu denken: Steigt die Verordnung von Präparaten aus dieser Gruppe vielleicht nur deswegen an, weil das Absetzen so schwierig und mit einer gewissen Rate an Entzugssymptomen verbunden ist?
Die Studie, die in der Juli-Ausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift Gastroenterology veröffentlicht wurde, trägt den Titel: Evidence That Proton-Pump Inhibitor Therapy Induces the Symptoms it Is Used to Treat, übersetzt: „Anhaltspunkt dafür, dass Protonenpumpenhemmer die Symptome hervorruft, gegen die er eingesetzt wird.“ Die Studie ist über den Link unten im Volltext auf Englisch kostenlos abrufbar, eine kurze Zusammenfassung findet sich auch im Deutschen Ärzteblatt.
Quellen
Deutsches Ärzteblatt: Protonenpumpenhemmer könnten süchtig machen


Das ist allerdings eine sehr interessante Nachricht. Wenn man bedenkt, dass PPI bisher (zurecht) die Nummer eins bei Übersäuerungen des Magens waren, Antazida und H2-Antagonisten in allen Belangen übertroffen haben, dann ist das doch ein herber Wermutstropfen. PPI gehören m.W. schon seit längerer Zeit zu den Kassenschlagern der Pharmaindustrie, da wäre sehr interessant, wie dieselbige und die Fachgesellschaften reagieren. Hast du da irgendwas von gehört?
Nein, bisher (erstaunlicherweise) noch gar nichts! Dabei ist die Untersuchung imo sehr exakt geplant und durchgeführt worden, also durchaus aussagekräftig.
Mal sehen, manche Erkenntnisse bahnen sich in der Medizin eben recht langsam den Weg, Semmelweiß konnte ein Lied davon singen…
Im Januar d. J. wurde mir in einer orthopädischen Klinik dringend empfohlen, vorbeugend den verordneten PPI zu schlucken, obwohl ich trotz langjähriger Einnahme eines NSAR nie Magenprobleme hatte. Leider folgte ich dem Rat der Ärzte.
Ca. acht Wochen später, wieder daheim, setzte ich den Protonenpumpenhemmer wieder ab und wurde dafür mit dem schlimmsten und langwierigsten Reflux bestraft, welches ich jemals erlebte. Ein Gastroenterologe riet mir daraufhin, die Dosis des PPI zu verdoppeln und eröffnete mir zudem, dass ich davon ausgehen könne, das Medikament lebenslang nehmen zu müssen. Mit der oben erwähnten Studie konfrontiert, fiel ihm nichts Besseres ein als: „Im Internet findet man leider nur Mist – das weiß doch jeder.“
Meine Anfrage zum Thema Suchtpotential von Protonenpumpenhemmern wurde vom BfARM immerhin beantwortet. Demnach soll auf europäischer Ebene wohl darüber beraten werden, ob ein entsprechender Hinweis auf dem Beipackzettel erscheinen muss.
Zu der Frage, wie ein derart fragwürdiger Wirkstoff die Hürde der freien Verkäuflichkeit nehmen konnte, bekam ich keine befriedigende Antwort.
Ich habe – entgegen dem Rat des Gastroenterologen – den PPI sofort abgesetzt, desgleichen das NSAR und die schlimmste Phase der „Entwöhnung“ mithilfe eines Antazidums nach Bedarf heute weitgehend überstanden, d. h. der Regelkreis der Magensäureproduktion funktioniert bei mir wieder fast normal.
Mein Fazit: Ja, Protonenpumpenhemmer sind gefährliche Suchtmittel, weil der Entzug extrem schmerzhaft und langwierig ist.