Bundeskanzlerin Angela Merkel will in den nächsten Tagen ihren Hausarzt fragen, ob sie sich gegen Schweinegrippe impfen lassen soll.
(Bild von א (Aleph), http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/)
Empfiehlt der Hausarzt eine Impfung, dann will Frau Dr. Merkel den Impfstoff Pandemrix® der Firma GlaxoSmithKline bevorzugen. Pandemrix, das ist der Schweinegripeimpfstoff fürs Volk, während für die Bundeswehr und alle Angestellten des Bundes der Impfstoff Cellvatan® von Baxter vorgesehen ist.
Bundesregierung und Soldaten bevorzugt?
Ist Cellavtan wirklich besser verträglich als Pandemrix? Wohl kaum, sagt das pharmakritische Arzneitelegramm.
Cellvatan ist ein so genannter Ganzvirusimpfstoff. Das Arzneitelegramm meint hierzu: „Das Prinzip der Ganzvirus-Impfstoffe wurde wegen einer hohen Rate an unerwünschten Wirkungen schon vor Jahrzehnten durch die besser verträglichen Spaltimpfstoffe ersetzt.“
Also doch lieber der Volksimpfstoff Pandemrix? Nein, lieber nicht! Der Verstärkerstoff, das sogenannte „Adjuvans“ in Pandemrix ist schlecht untersucht, die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat sich gegen die Streckung der Schweinegrippeimpfungen mit diesem Hilfsmittel ausgesprochen.
Wir wägen ab: An Schweinegrippe erkrankten in Deutschland bisher weit über 20.000 Menschen. Gestorben ist eine Hochrisikopatientin in Essen. Die Risiken der Impfstoffe, die in Deutschland zu haben sind, sind unbekannt. Sind die Risiken der Impfung vielleicht größer als die Risiken der Schweinegrippe?
Machen Sie es wie Frau Dr. Merkel: Fragen Sie Ihren Hausarzt, ob Sie sich impfen lassen sollen. Vielleicht ist in manchen Fällen eine Impfung sinnvoll, generell scheint eine gewisse Zurückhaltung empfehlenswert.
Quellen
Deutsches Ärzteblatt: „Schweinegrippe-Impfstoff wird ausgeliefert“


Nachfolgenden Kommentar erhielt ich von Dr.med. Uwe Popert, für die Bezirksstelle Kassel der Kassenärztlichen Vereinigung zuständig für Notdienstversorgung und die regionale Pandemie AG, Goethestrasse 70, 34119 Kassel:
Bei der Bestellung der Impfstoffe für die deutsche Bevölkerung ging es sehr merkwürdig zu. Das Arzneitelegramm berichtete aus den geheimen Verträgen, dass die eigentlich spottbilligen Adjuvantien (Verstärkerstoffe) für teurer verkauft wurden als die eigentlichen Impfstoffe!
Auch andere Vertragsbedingungen lassen den Eindruck entstehen, dass hier die Berater Ständige Impfkommission (STIKO) und PEI (Paul Ehrlich Institut) versagt haben und die Bundesländer regelrecht über den Tisch gezogen wurden. Nicht verwunderlich, denn zumindest der STIKO wird schon seit längerem eine mangelnde Kritikfähigkeit gegenüber Industrieinteressen vorgeworfen.
In Interviews in den „Tagesthemen“ am 18.10. haben Herr Ludwig von der Arzneimittelkommission der Bundesärzteschaft und Prof Kekule, Virologe, nochmalig über diesen doch „bemerkenswerten“ Bestellvorgang der alten Regierungsverantwortlichen berichtet und zu Vorsicht und Achtsamkeit gemahnt.
Zu dem aktuellen Pandemrix®-Impfstoff ist bisher keine Studie zur tatsächlichen Schutzwirkung bzw. zu kurz-und langfristigen Nebenwirkungen veröffentlicht worden. Alleine die Zulassung ist deswegen schon merkwürdig. Aus einer Vorstufe (noch mit dem schwächer wirksamen „Vogelgrippe“-Bestandteilen) wissen wir, dass -wahrscheinlich wegen der Adjuvantien- zumindest die kurzfristigen Nebenwirkungen- etwa doppel bis dreimal so häufig auftreten wie bei den üblichen Impfungen gegen saisonale Influenza.
Zu langfristigen Nebenwirkungen von Pandemrix ® wissen wir nichts Sicheres.
Der Adjuvantien-Wirkstoff Squalen ist als möglicher Verursacher des Golfkriegs-Syndroms ins Gerede gekommen.
Eine 1976 ohne solche Verstärkerstoffe durchgeführte Massenimpfung von 40 Millionen Amerikanern gegen eine befürchtete (aber nie eingetretene) Influenza-Pandemie führte vermutlich zu Hunderten von schweren Nervenlähmungen und etwa 50 Toten.
Das liegt in der Größenordnung der in diesem Winter zu erwartenden Opfer derzeitigen A/H1N1 Influenza – wenn der Erreger sich nicht verändert und man die Daten aus Argentinien, Australien und Neuseeland übertragen kann.
Was geschieht, wenn die „Schweinegrippe“ – Erreger mutieren, kann niemand vorhersagen. Wie gut eine bis dahin durchgemachte Infektion schützt und ob die derzeitigen Impfstoffe dann helfen werden, ist völlig unklar. Die Behauptung, daß die Zugabe von Adjuvantien zum Impfstoff diesen auch bei Mutationen noch wirken lässt, ist völlig unbewiesen, aber anscheinend ein hervorragendes Verkaufsargument gewesen.
Glücklicherweise brauchen wir die Verstärkerstoffe nicht: aus dem derzeit produzierten Pandemrix ® ließe sich wahrscheinlich problemlos ein Impfstoff anmischen, der zumindest nur so viel kurzfristige Nebenwirkung hat wie der übliche saisonale Influenza-Impfstoff.
Das scheint auch so geplant zu sein: „…Ein Teil der bereits bestellten 50 Millionen Dosen des Serums Pandemrix ® könne möglicherweise auch ohne Verstärker geliefert werden, sagte Thomas Schulz, Sprecher des Erfurter Ministeriums.
Darüber werde mit dem Hersteller GlaxoSmithKline und mit anderen Pharmafirmen verhandelt. Die Menge an verstärkerfreiem Impfstoff werde „bedarfsgerecht“ sein…“
(http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/38547/Laender_bestellen_Schweinegrippe-Impfstoff_ohne_Adjuvanzien_nach.htm)
Aber natürlich sollte man auch hier Daten über die Verträglichkeit und die erforderliche Dosis abwarten.
Mein Fazit:
· Bei den „Experten“ der STIKO und des PEI sollte man in Zukunft für eine garantierte Industrieunabhängigkeit sorgen
· Bei Hochrisiko-Patienten (z.B. bei Immunschwäche) => mit „entschärften“ Impfstoff versorgen
· Als Arzt bzw. Betroffener: => Abwarten, bis es bessere Informationen gibt.
· Bisher deutet nichts auf eine bedrohlichere Influenza-Welle hin als jedes Jahr.
· An die Presse: Machen Sie doch mal ein Interview mit Prof. Kochen (Allgemeinmedizin, Univ. Göttingen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin – DEGAM -), Dr. Hartmann (Vorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte) oder Prof. Ludwig (Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft), statt mit Gesundheitspolitikern oder Industrievertretern!
Mit freundlichen Grüssen
Dr.med. Uwe Popert
Danke für die Infos
Das wird ja immer Doller: jetzt soll GSK einfach das Adjuvans weglassen, die Virendosis erhöhen – und darf das noch verimpfen? Von Arzneimittelzulassung haben die Behörden, die diese Idee verbreiten wohl gar keine Ahnung! Die Schnellzulassung von Pandemrix & Co. ging ja nur über die bestehende Musterzulassung. Wer den Impfstoff so grundlegend ändert muss komplett neu zulassen – und bis dann ist die diesjährige Grippewelle eh vorbei.
Hoffen wir, dass Fr. Merkel auf einen Hausarzt mit Augenmass trifft. Gibt es in ihrem Wahlkreis eigentlich noch einen oder nur ein MVZ eines vor Dr. Lauterbach aufsichtsberatenen Klinikkonzerns … ? … Ich frag ja nur.